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Afrika II - Ein Hauch von Tausend und einer Nacht Afrika

Zeitraum
Mitfahrer
Wo genau
km
02.02.2007 - 16.02.2007
Dorothee Hoffmann
Marakech - Safi - Essaouira - Agadir - Inezgane - Sidi Rabat - Tiznit - Tafraoute - Ait-Baha - Biogura - Inezgane - Airport Agadir
888

Ein Hauch von Tausend und einer Nacht
Eine Fahrradtour durch Südmarokko

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Safi ist für seine Töpferwaren bekannt
Ein Gemisch von Dampf und Wasser stiebt auf, als die Räder des Flugzeuges auf die pitschnasse Landebahn des Flughafens Marrakech aufsetzen. Graue Wolken hängen am Himmel und die ganze Landschaft präsentiert sich triefend nass. Das kann ja heiter werden, dachten Dorothee Hoffmann und Dr. Lutz Gebhardt, als sie zu ihrer Radtour durch den Süden Marokkos starten.

Schon Marrakech erfüllt alle Klischees, die man von einer alten marokkanischen Königsstadt so hat. Die Altstadt, die man Medina nennt, ist von meterdicken Mauern umgeben. Dahinter erstreckt sich ein schmales Gassengewirr, in dem sich kaum zwei Radfahrer passieren können. Hier findet man auch die traditionellen Hotels, die sich deutlich von den Touristenburgen unterscheiden. Kleine Türen führen in Innenhöfe oder große Dielen mit einem Lichthof, deren Wände mit orientalischen Mosaiken geschmückt sind. Die Zimmer sind preiswert und klein, aber das Haus hat Atmosphäre.

Mehrere Moscheen mit ihren hier typischen rechtwinkligen Minaretten und eine Vielzahl von orientalischen Basaren, die in der arabischen Welt Souks heißen, bestimmen das Bild. Der Place Djemaa El Fna ist der Platz schlechthin. Keiner hat eine solche Ausstrahlung! Wasserverkäufer in orientalischen Trachten, Märchenerzähler, Jongleure und Zauberer sind von dichten Menschentrauben umringt. Schlangenbeschwörer lassen ihre Kobras sich unter den klagenden Tönen der Flöte aus den Weidenkörbchen winden. Daneben reihen sich Stände mit allen Leckereien des Morgenlandes. Nüsse, getrocknete Früchte, Türkischer Honig und andere Süßigkeiten sind zu hohen Bergen geschichtet. Ganz zu schweigen von den Gewürzen, die zu spitzen Kegeln aufgetürmt verführerische Gerüche verströmen, die in der Nase kitzeln. Schnell ist man mit der Kamera zur Hand und möchte die ganze Atmosphäre auf den Chip saugen. Aber bevor man den Auslöser drückt, ist schon eine fordernde Hand vor der Linse: „Monsieur, 10 Dirham, s'il vous plaît!“ Geschäftstüchtig sind sie schon, die Marokkaner. Ständig tauchen irgendwelche „Fremdenführer“ auf, die einen zu einer der vielen Sehenswürdigkeiten schleppen wollen, wofür sie natürlich ein Honorar einfordern.

Die 165 km entfernte Hafenstadt Safí ist das erste Ziel. Die erste Brücke überquert einen Fluss, durch den sich lehmig-rotbraune Wassermassen wälzen, ein deutliches Zeichen der starken Niederschläge der letzten Tage. Doch jetzt ist der Himmel blau. Das hügelige Land ist stark landwirtschaftlich geprägt, so fällt es nicht leicht, einen Platz zum Zelten zu finden. Am zweiten Tag ist Safí erreicht, das für seine typisch glasierten Töpferwaren und Ziegel weit bekannt ist. Ölsardinen aus Marokko sind in der ganzen Welt verbreitet – hier in Safí kommen sie in die Dosen und treten nun auf dem Wasser ihre letzte Reise in aller Herren Länder an. In Essaouira schaukelt eine blau angepinselte Fischfangflotte im Hafenbecken. Kisten voller Fische werden an Land gebracht, dort wird sortiert. Die Sardinen sind zum größten Teil für die Dosen. Der exotischere Fang kommt frisch in die Gaststätten, wo man sich auf einem großen Tisch den Fisch aussuchen kann, den man dann, auf Holzkohlenglut gegrillt, essen möchte.

Überall entlang des Weges findet man Geschäfte oder Marktstände, wo es Mineralwasser und Lebensmittel zu kaufen gibt. Der Obst- und Gemüsekauf ist genial einfach. Tomaten, Zwiebeln, Möhren, Apfelsinen und Bananen – alles legt man in eine Schüssel, wo es zusammen gewogen und zum gleichen Kilopreis berechnet wird. Ein besonderer Genuss sind die traditionellen Tajinen. In einem Tontopf werden Fleisch, Kartoffeln, verschiedene Gemüse mit Gewürzen und Zwiebeln übereinander geschichtet und mit Arganienöl angerichtet. Der Topf wird mit einem spitzhaubigen Deckel verschlossen und über einem Holzkohlebecken langsam geschmort. Allerdings sollte man vor der Bestellung nach dem Preis fragen, dann sind sie auch sehr günstig.

In der touristischen Hochburg Agadir sucht man eine Medina und historische Bauwerke vergeblich. Ein Erdbeben hat 1960 die ganze Stadt als einen großen Schutthaufen zurück gelassen. Danach begann der Wiederaufbau, der in Agadir unzählige Hotels in den Himmel sprießen ließ, in die heute scharenweise die Touristen aus Europa einfallen. Eins der bedeutendsten Bauwerke ist die neu errichtete Mohammed V. Moschee, die mit reichem Ornamentschmuck beeindruckt.

Hundert Kilometer südlich verströmt Tiznit einen Hauch von Wüste. Eine mit Zinnen bekrönte Stadtmauer umgibt die alte Stadt, die es schon lange nicht mehr in ihren Mauern hält. Hier verlässt die in den Antiatlas führende Straße die große Trasse Richtung Süden. Die Landschaft ist trocken! An den Ufern halb versiegter Flüsse liegen idyllische Palmenhaine. Gemächlich steigt die Straße an, bis in Tirhmi die Serpentinen zum 1100 Meter hohen Col du Kerdous zu sehen sind. Auf dem Weg nach Tafraoute bestimmen rundgeschliffene Granitfelsen und Häuser, deren Wände in kräftigen rotbraunen Tönen leuchten, das Bild. Rechts und links der Straße beeindrucken unzählige Mandelbäume mit einer zart weiß-rosa Blütenpracht. Mitten im Februar schafft es das Thermometer trotz der Höhe locker auf über 20 °C. Am Ende des malerischen Ammelntales, in dem die Häuser wie Adlerhorste an den Felswänden kleben, gilt es den höchsten Punkt der Tour, den 1693 m hohen Tizi Mlili zu bezwingen. Zurück nach Agadir geht es dann tendenziell nur bergab. Nach 888 km genießen wir ein letztes marokkanisches Frühstück mit frisch gepresstem Apfelsinensaft, dem typischen Pfefferminztee mit Wermut und viiiel Zucker sowie Baguettes mit leckerer Aprikosenmarmelade, ehe wir ins kalte Deutschland zurückkehren.

© 2000-2010 by christoph hoffmann & dr. lutz gebhardt