LiLu.tk - Mit dem Fahrrad durch die Welt

Mitfahrer | Diavorträge | Links | Im Spiegel der Presse | Meine höchsten Pässe | über LiLu
ASI (1986) | ASII (1987) | ASIII (1988) | ASIV (1989) | ASV (2003) | ASVI (2006)
AFI (1992) | AFII (2007)
SAI (1997) | SAII (1998) | SAIII (2000) | SAIV (2001) | SAV (2002) | SAVI (2006)
OZI (2003) | OZII (2008)
EUI (1985) | EUII (1988) | EUXIV (1998) | EUXVI (1999) | EUXIX (2003) | EUXX (2004) | EUXXI (2005)
NAI (2005) | NAII (2008) | NAIII (2010)

Asien V - Im indischen Himalaja Asien

Zeitraum
Mitfahrer
Wo genau
km
06.09.2003 - 06.10.2003
Jens-Ulrich Groß
Delhi - Karnal - Ambala - Kalka - Shimla - Mandi - Kullu - Naggar - Manali - Keylong - Patseo - Pang - Rumtse - Upshi - Thikse - Leh - Kardung La
1235

Im indischen Himalaja
Eine Fahrradtour über die höchste Straße der Welt

mehr Bilder
Khardung La (5603 m)
Ladakh – ein kleines ehemaliges Königreich im Indischen Himalaja ist das Ziel unserer Reise. Hier versprechen die Reiseführer die höchsten Straßenpässe der Welt und das zieht uns magisch an. Der Gedanke mit dem Fahrrad die höchsten Pässe der Welt zu bezwingen lässt uns nicht mehr los. Mitten in einer lauwarmen Septembernacht stehen wir, Jens-Ulrich Groß und Dr. Lutz Gebhardt mit unseren Fahrrädern auf dem Flughafen von Delhi, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen – aufregende 1235 km liegen vor uns.

Mehr als 400 km durch Indiens Tiefland sind zu bewältigen ehe die Berge nahen. Wir tauchen hier in eine unglaubliche Kultur ein. Ein wild durcheinander quirlender Verkehr, der scheinbar fast ohne Regeln mit ohrenbetäubendem Hupen und Klingeln durch die Strassen flutet. Mittendrin bewegen sich in stoischer Gelassenheit die heiligen Kühe. Das Auge erfasst schöne Inderinnen in farbenprächtigen Gewändern und gleich daneben unheimliche Mengen Dreck und Abfall. Fast jeder Ort verfügt über mehrere Tempel, wo man uns auch immer wieder zum Eintritt auffordert. Dann steigt die Straße langsam aber ständig an, aus dem Morgendunst erheben sich immer höhere Berge – das Vorland des Himalaja. Dichter Urwald überzieht die Bergflanken mit sattem Grün. Dazwischen eine Vielzahl von Häusern, die wie Narben die grüne Fläche zerreißen und den ganzen Urwald zersiedeln. Shimla stand bereits bei den Engländern hoch im Kurs, in über 2000 m Höhe ließ sich der Sommer aushalten. Wer es sich leisten kann verlässt auch heute noch das kochende Delhi und zieht sich in die angenehme Kühle der Berge zurück.

Nach dem Touristenort Manali stehen wir vor unser ersten großen Herausforderung, dem 3975 Meter hohen Rothang La! Wir haben Glück: die oft in Regen, Schnee und Wolken versunkene Wetterscheide des Himalaja präsentiert sich im schönsten Sonnenschein. Wasserfälle, bewaldete Steilhänge, riesige Felswände prägen hier die Landschaft. Unscheinbar klein windet sich in weiten Schleifen die Passtrasse nach oben. Fast 2000 Höhenmeter sind zu überwinden, ehe wir den von bunten Gebetsfahnen geschmückten höchsten Punkt erreichen. Ein phantastischer Blick auf schneebedeckte 5000er entschädigt für die Strapazen. Nun treten wir in die buddhistische Welt ein.

mehr Bilder

Kurz vor Keylong fährt mir der Schreck in die Glieder: die Felgenflanke meines Hinterrades ist gebrochen! Reparatur undenkbar. Eine Ersatzbeschaffung im Umkreis von 160 km erweist sich als unmöglich. Letzte Hoffnung: Ersatz aus Deutschland. Nach einer nerven­aufreibenden Woche geht es endlich auf einer neuen Felge weiter. Die Freude ist kurz – wir sind noch keine 50 km gefahren – da zeigt sich bei Jens das gleiche Malheur. Am Boden zerstört, beschließen wir solange vorsichtig weiter zu fahren bis sein Rad zusammenbricht.

Jetzt stehen wir vor den großen Herausforderungen der Tour. Mit dem 4930 m hohen Baralacha La überwinden wir den Hauptkamm des Himalaja. Danach folgt eine siedlungsfreie Hochgebirgswüste, wo man nur noch auf Zeltdörfer trifft, die im Sommer die Versorgung der Reisenden sicherstellen. Eiskalte Stürme ziehen durch die faszinierende Hochgebirgs­landschaft und die dünne Luft in mehr als 4500 m Höhe erschwert jeden Tritt. Aber es geht noch höher! Am Lachalung La (5070) stoßen wir erstmals in Regionen von über 5000 m Höhe vor. Nach dem wir auch noch den Tanglang La in 5328 m Höhe bezwungen haben, ist der Transhimalaja überwunden und unsere Räder rollen dem Industal entgegen. Hier steht der Buddhismus in voller Blüte. Beindruckende Klöster in denen es von Mönchen in roten Gewändern wimmelt, die ihren täglichen Verrichtungen nachgehen, säumen den Weg nach Leh. Am letzten Tag unserer Tour streben wir dem Höhepunkt unserer Reise entgegen. Bereits in der Dämmerung starten wir zu dem nördlich von Leh gelegenen Khardung La. Meter für Meter kämpfen wir uns in die Höhe und hoffen, dass Jens Felge, die wir inzwischen mit Speichen schienen mussten, noch durchhält. Zur Mittagszeit liegt längst die vergleichbare Höhe des 4807 m hohen Mt. Blanc hinter uns, aber das Ziel ist noch lange nicht erreicht! Kurz vor 14 Uhr ist es dann soweit. Ein unendliches Gewirr von Gebetsfahnen flattert uns entgegen und vor uns steht das heiß ersehnte Schild: „WORLDS HIGHEST MOTORABLE ROAD“. Es ist geschafft - wir haben den höchsten Straßen-Pass der Welt in 5606 m Höhe bezwungen! Und das im Fahrradsattel!!!

© 2000-2010 by christoph hoffmann & dr. lutz gebhardt