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Europa I - Tandemtour Budapest Europa

Zeitraum
Mitfahrer
Wo genau
km
19.07.1985 - 09.08.1985
Dennis Gebhardt
Ilmenau - Ziegenrück - Cheb - Mariánské Lázne - Nepomuk - Písek - Znojmo - Breclav - Bratislava - Komaro - Budapest - Nitra - Brno - Jihlava - Plzen - Karlovy Vary - Oelsnitz - Saalfeld - Ilmenau
2149

Tandem-Testfahrt von Ilmenau nach Budapest

Mitte Juli 1985 startete ich mit meinem vierzehnjährigen Sohn Dennis zu meiner ersten mehrwöchigen Radtour. Diese war der Auftakt für einen 4-monatigen Belastungstest für das neu entwickelte Touren-Tandem, "BMS-Kontakt", den wir im Auftrag des "Mifa-Werk Sangerhausen", dem größten Fahrradhersteller der DDR durchführten.
Unser großes Ziel hieß Budapest!

Bevor wir zu unserer großen Fahrt aufbrachen, hatte ich mit dem Tandem schon die ersten knapp 700 km durch das bergige Profil des Thüringer Waldes zurückgelegt, um eventuell. Frühausfälle auf unserer Urlaubsfahrt möglichst auszuschließen. An einem Freitag ging es dann endlich los. Beladen mit einem kleinen Zelt, zwei Isoliermatten und Schlafsäcken, sowie den wichtigsten Ersatzteilen, Werkzeugen und notwendigstem persönlichen Bedarf radelten wir los. Trotz einer "Gepäckoptimierung" in Blickrichtung auf Gewicht und Volumen war unser Gefährt erheblich bepackt und wir mussten ca. 20 kg "Ballast" transportieren. Wir gewöhnten uns aber schnell daran und hatten uns nach einigen Tagen gut aufeinander eingespielt. So machte es uns auch keine besondere Schwierigkeit, unsere Zielstellung einer täglichen ca. 100 km-Etappe in den böhmischen Bergen in die Tat umzusetzen. Nach neun Tagen und einer Strecke von 1068 km erreichten wir die ungarische Hauptstadt. Unser Weg führte dabei über Marianske Lazne, Pisek, Znojmo, Bratislava, Komarno und Esztergom. Wir waren natürlich sehr glücklich, als wir unser Reiseziel erreicht hatten und mit unserem Test-Tandem vor dem Ortseingangsschild von Budapest standen.

Unser "Ruhetag" bestand aus einer bei hochsommerlichen Temperaturen ziemlich anstrengenden Stadtbesichtigung der Donaumetropole. Am nächsten Tag nahmen wir uns vor Ungarn auf der linken Donauseite zu verlassen. Dazu mussten wir uns mit dem Tandem in das Verkehrsgewühl der ungarischen Hauptstadt stürzen. über die nördlichste Donaubrücke, die "Arpad hid", erreichten wir die Pester Seite. Auf bis zu sechsspurigen Straßen mussten wir nun bei rasant fließenden Verkehr mehrmals von der rechten Fahrbahnseite auf die Linksabbiegerspur wechseln. So war ich froh, als wir dem Großstadtverkehr den Rücken gekehrt hatten und es wieder ruhiger wurde. Nun kamen wir schnell in die Berge. Für die Heimreise hatten wir uns eine andere Strecke ausgesucht hatten, um neues Terrain kennen zu lernen. So führte der Rückweg, der uns durch fast ständigen Gegenwind und mehrere Regenfronten erschwert wurde, über die Städte Nitra, Napajedla, Brno, Jihlava, Pilzen, Karlory Vary und Cheb wieder in die Heimat.

Auf unserer Fahrt konnten wir viele schöne Landschaftsgebiete bewundern. Hier möchte ich vor allem die übernachtungen am romantisch gelegenen Vranov-Stausee bei Bitov und am Donauknie sowie die Fahrten über die "Weißen Karpaten" und durch das schöne Teplatal nach Karlovy Vary hervorheben. Am nachhaltigsten blieben uns aber die bizarren Kalkfelsen der Mikulover Höhen mit ihren Burgruinen und der Blick von der im weiten Bogen den Stausee von Orlik überspannenden Straßenbrücke auf den. 50-60 m tiefer gelegenen Wasserspiegel der Moldau in Erinnerung.

Insgesamt waren wir drei Wochen unterwegs und legten dabei 2150 km zurück. Wir übernachteten fast nur auf Campingplätzen, wo wir in der Regel freundlich aufgenommen wurden. Nur in Breclav wurden wir gleich von zwei Campingplätzen wieder weggeschickt, so dass wir uns nach einer 154-km-Etappe einen Schlafplatz im Wald suchen mussten. Schlimm erwischte es uns in Orlik, da ein Dauerregen von 36 Stunden auf uns niederging, das Zelt absoff und wir zwei erzwungene Ruhetage einlegen mussten. Durchschnittlich legten wir pro Tag 113 km zurück. Bis auf den Abschnitt Dömös-Budapest (41 km) fuhren wir jeden Tag mindestens 85 km. Unsere längste Etappe führte uns mit 186 km von Cheb nach Ilmenau zurück, als uns die Sehnsucht nach dem Zuhause anspornte und jegliche Müdigkeit vergessen ließ.

Außer einem Kettenriss und einer Reifenpanne hatten wir keine Ausfälle zu verzeichnen. Natürlich ist das Umsteigen von einem normalen Rad auf ein Tandem an Anfang nicht ohne Probleme. Doch nach einer Gewöhnungsphase geht es ganz gut. Der Hintermann hat nichts weiter zu tun als auf Kommando die Richtungsänderung anzuzeigen und in die Pedale zu treten. Wir haben nach ein paar Tagen gut miteinander harmoniert, so dass wir auch ohne Gangschaltung mit der übersetzung von 43:20 bei 26er Radgröße trotz unseres ansehnlichen Gepäcks gut voran kamen. Diese Fahrt hat auch gezeigt, dass das Tandem sehr gut geeignet ist, wenn sportlich ungleich trainierte Fahrer zusammen eine große Fahrt unternehmen möchten, da hier nur die Summe der Kräfte für die Fortbewegung entscheidend ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das Tandem bestens bewährt hat und die Testfahrt ein voller Erfolg war. Uns war sie ein unvergesslicher, erlebnisreicher Urlaub, der immer in Erinnerung bleiben wird.

© 2000-2010 by christoph hoffmann & dr. lutz gebhardt