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Nordamerika I - Kühne Brücken, wilde Wälder Nordamerika

Zeitraum
Mitfahrer
Wo genau
km
03.09.2005 - 29.09.2005
Klaus Gattner
Nelson / Castelgar - Christina Lake - Grand Forks - Greenwood - Midway - Beaverdell - Penticton - Princeton - Tulameen - Hope / Vancouver / Salt Spring Island / Swartz Bay - Victoria - Sooke
1240

Kühne Brücken, wilde Wälder
Eine Radtour auf dem Trans Canada Trail

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Schon der Anflug auf Vancouver verspricht viel – und die Stadt hält, was Sie aus der Vogelperspektive verspricht. Doch das wird mir erst drei Wochen später bewusst, als die Radtour über den Kettle Valley Railroad Trail in British Columbia (B.C.) bereits hinter mir liegt. Zuerst geht es von der imposanten Westküsten-Metropole weiter in das ca. 800 km entfernte Örtchen Castlegar. Nicht weit davon hat sich mein Freund Klaus niedergelassen und führt seit einigen Jahren mit seiner Firma West-Canada-Bike-Tours abenteuerlustige deutsche Freizeitradler auf den alten Bahntrassen durch die Wildnis British Columbias. Neben 16 zahlenden Gästen bin auch ich bei der Septembertour 2005 dabei und erlebe so meine erste organisierte Radreise. Sogar in etwas gehobener Position, denn ich bin der „last man“ und muss die letzten Schäfchen einsammeln, damit niemand verloren geht. Für Notfälle habe ich ein Funkgerät am Hals und kann Meldung machen, falls sich gerade ein Schwarzbär für Radlerwaden interessieren sollte.

Fast 800 km misst die Strecke, die von den Gästen zu bewältigen ist. Das sind 14 Tages-Etappen von 36 km bis 70 km Länge, die fast ausschließlich über ehemalige Bahntrassen führen. Asphaltiert ist der Trail nicht! Schotter, der einst die Gleise hielt, ist auch heute noch mehr oder weniger anzutreffen. MTB-Freunde lernen hier ihre breiteren Reifen zu schätzen. Und dann die Berge! Doch auch wenn es fünf Pässe zu überwinden gilt, mehr als 2,2 % Steigung gibt es nicht, denn das war das Maximum, das die Züge zur Pionierzeit bewältigten. So geht es über Brücken, durch Tunnel und Einschnitte immer monoton leicht bergauf, bis der Pass erreicht ist. Dann rollt’s wieder genauso bergab. Das addiert sich auf der gesamten Strecke immerhin auf mehr als 4000 Höhenmeter.

Tiefblaue Seen und dunkle Wälder, so stellt man sich Kanada vor und so ist es wirklich, wenn man sich auf den Trans Canada Trail in B.C. begibt. Der Trail ist insgesamt rund 18.000 km lang und reicht vom Atlantik bis zum Stillen Ozean. In B.C. ist es vor allem die stillgelegte Bahntrasse der Kettle Valley Railway, die zu den interessantesten Abschnitten gehört. Der Bau dieser legendären Eisenbahnstrecke in den Jahren 1912 bis 1916 unter der Leitung von Chefingenieur A. McCulloch, gehört zu den großen Taten der Verkehrsbauingenieurkunst Kanadas. Heute spricht man von den drei Wundern des Mr. McCulloch. Gelang es ihm doch, nicht für überwindbar gehaltene Hindernisse der Natur zu überwinden. Eines dieser Wunder ist die Trasse über die Schlucht des Myra Canyons, die in 1.250 Meter Höhe hoch über dem Okanagan Lanke liegt. 18 imposante Holzbrücken wurden seinerzeit unter primitivsten Bedingungen auf einem unzugänglichen Gebirgskamm für die Eisenbahn gebaut, heutzutage sind sie den Touristen vorbehalten. Das heißt waren, denn ein verheerender Waldbrand hat 2003 etliche dieser meisterlichen Holzkonstruktionen in Schutt und Asche gelegt, die bis 2007 originalgetreu wieder aufgebaut werden. Gespenstisch mutet dieser Abschnitt an, wo der Trail nun im ständigen Auf und Ab durch einen Wald von verkohlten Stämmen führt, wo einst grüne Wälder waren.

Ehe wir am Okanagan Lake die Plantagen des „Früchtekorbs Kanadas“ erreichen, testen ein gemütlich trottender Schwarzbär und eine sich auf den Weg sonnende Klapperschlange die Nerven unserer Gäste. Der letzte Radeltag vom Coquihalla Pass hinab nach Hope ist eine der schönsten Etappen. Tiefe Schluchten, reißende Flüsse und herrliche Ausblicke auf die roten Tupfer, die der Indian Summer an die Berghänge zaubert, lassen uns den Abschied schwer fallen.

Ein letzter Höhepunkt ist die Stadtrundfahrt durch Vancouver. Aus der Perspektive der Fahrradsattel zeigt uns die einstige Hamburgerin Ilonka „ihr Vancouver“, wie sie es seit vielen Jahren liebt, und steckt uns mit ihrer Begeisterung an.

Während die Gäste bereits in der Heimat eingetroffen sind, fahren Klaus und ich noch auf die Golfinsel Salt Spring Island und nach Vancouver Island, wo wir den Galloping Goose Trail unter die Reifen nehmen, der sich uns in einem gut ausgebauten Zustand präsentiert. Vielleicht wird eines Tages auch hier eine Etappe von West-Canada-Bike-Tours entlang führen.

Vielen Dank für die freundliche Unterstützung der Nordamerika I Tour an:
ike Tours
© 2000-2010 by christoph hoffmann & dr. lutz gebhardt