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Südamerika VI - Araukanien Südamerika

Zeitraum
Mitfahrer
Wo genau
km
20.01.2006 - 12.02.2006
Monika Baron
Temuco - Lautario - Caracautin - Lonquimay - Paso Pino Hachado - Pas Icalma - Melipeuco - Cunco - Villarica - Pucon - Conaripe - Panguipulli - Los Lagos Valdivia - Mehuin - Teodore Schmidt - Freire - Temuco
1052

Araukanien – Urwälder und rauchende Vulkane
Eine Tandemtour durch den kleinen Süden Chiles

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Angenehme hochsommerliche Temperaturen empfangen uns Mitte Januar 2006 als unser Flugzeug in Temuco aufsetzt. Was für ein Gegensatz zu meiner Reise, die im November 2000 an gleicher Stelle begann, wo weniger einladende Temperaturen herrschten. Diese Mal geht es nach Norden und schon nach wenigen Kilometern leuchten uns die ersten weißen Vulkankegel entgegen. Kaum haben wir die 4-spurige Panamericana verlassen, wird der Verkehr deutlich ruhiger.

Das Gebiet wird hier landwirtschaftlich genutzt, rechts und links des Weges erstrecken sich Wiesen und Äcker deren Ränder durch unendliche Stacheldrahtzäune geprägt sind. Ein unbändiger Drang ihren Besitz auf diese Weise zu markieren, muss hier alle Landbesitzer verfolgen.

Unaufhaltsam nähern wir uns zwei wunderschönen Vulkankegeln. Der Llima (3125 m) trägt ein schönes weißes Kleid, während das vom Lonquimay (2890 m) schon Löcher aufweist. Eine Schotterpiste führt uns auf seiner Flanke durch herrliche Araukarienwälder bis auf 1700 Meter in die Höhe. War die Auffahrt anstrengend, so ist die Abfahrt wegen des losen Gerölls und des extremen Gefälles gefährlich! Dank guter hydraulischer Scheibenbremsen sind aber selbst die steilsten Abschnitte mit dem schwer bepackten Tandem sicher zu meistern.

Nun befinden wir uns östlich des Vulkangürtels der Anden und die Welt sieht plötzlich anders aus. Die Landschaft erinnert an die argentinische Pampa und im Mangel schattenspendender Bäume, brennt die Sonne nun unbarmherzig auf unsere Haut. Ein Abstecher nach Argentinien beschert uns den Höhepunkt der Reise. 1884 m sind am Paso Pino Hachado zu erklimmen, der die Grenze nach Argentinien markiert. Nach gut 60 km sind wir wieder in Chile angekommen, wo man die Alemani mit ihrem Tandem an der einsamen Grenzstation bewundert.

Der Lago Villarrica ist mit seinen Ferienorten Pucon und Villarrica als die beliebteste Urlaubsregion des Landes bekannt. Und es ist tatsächlich so, jetzt, im südlichen Sommer, bekommt man hier vor lauter Menschen kaum den Fuß auf den Boden. Der Strand ist überquellend voll. Nur kleine Flecken schwarzen Vulkansandes sind zwischen den Sonnenanbetern zu erkennen. Hierher gelockt hat mich vor allem eins – der Villarrica! Ein sehr aktiver Vulkan. Bereits vor reichlich 5 Jahren stand ich auf den 2840 Meter hohen Kraterrand. (Erlebnisbericht SAIII: "Dem Villarrica aufs Dach ...") Doch der Blick in den Krater offenbarte nicht die erhoffte glühende Lava. Und auch dieses mal habe ich kein Glück. Nur eine Rauchwolke steht über dem Gipfel, mit einem Blick in den glühenden Krater ist nicht zu rechnen, so dass ich mir den erneuten Aufstieg erspare. Spannung verspricht eine Erdstraße direkt durch den Nationalpark Villarrica. Ohne Allradantrieb und eine saftige Portion Mut haben selbst Autos hier keine Chance, die Wurzelbänke und bis halbmetertief ausgespülten Rinnen zu überwinden. Abwechselnd fahrend und schiebend erreichen wir den 1271 Meter hohen Pass mitten in einem faszinierenden Urwald aus knorrigen Südbuchen und riesigen Araukarien, deren Stämme drei Männer kaum umfassen können. Am Fuße des Villarrica bietet die Therme Geometrica, die ein chilenischer Stararchitekt in eine Schlucht gezaubert hat, Entspannung.

Die Hafenstadt Valdivia steht im Kontrast zur Seenregion. Statt urwüchsiger Wälder und Vulkane gibt es einen quirligen Fischmarkt, wo nicht nur Unmengen frisch gefangener und filetierter Fische aufgestapelt sind. Aus einer Kiste krabbeln Krebse, daneben stehen Behälter mit Muscheln in einer beeindruckenden Vielfalt.

Zum Abschluss unserer Tour das idyllische Fischerdorf Mehuín. Das Abendessen mit exotischem Fisch und Meeresfrüchten wird ebenso unvergessen bleiben wie die beeindruckende Brandung, deren Wellen dann im flachen Sand auslaufen. Drei Wochen südliche Sonne ohne einen Tropfen Regen liegen hinter uns. Nach 1052 Kilometern und 8700 Höhenmetern schließt sich in Temuco wieder der Kreis. Kurz zuvor erhasche ich noch in der Ferne einen Blick auf den Villarrica. Wird es das letzte Mal gewesen sein?

© 2000-2010 by christoph hoffmann & dr. lutz gebhardt