LiLu.tk - Mit dem Fahrrad durch die Welt

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Ein halbes Leben mit dem Fahrrad

Seit ich mit 10 Jahren meiner Mutter das Damenfahrrad ausspannte, hatte ich es schätzen gelernt mich unabhängig zu bewegen. Ich streifte stundenlang durch die Felder hinter unserem Haus. Nur mit einem Damen Damenfahrrad konnte man kein so richtigen Staat machen. Und immer nur mit einem Gang zu fahren war nun auch nicht das Gelbe vom Ei. Da es die Wirtschaftslage in unserem Haushalt nicht zuließ, konnte ich mir ein Fahrrad so oft wünschen wie ich wollte, es kam einfach keins. Also musste ich selber ran. Ab sofort wanderte das monatliche Taschengeld aufs Konto, Weihnachten und Geburtstag waren ab sofort die Gelegenheiten sich Geld zu wünschen. Zehnmarkweise nahm mein Sparbuch zu. In den Ferien suchte ich mir eine Arbeit auf dem Lande. Rüben ernten für 80 Pfennige die Stunde, Kartoffeln lesen für 10 Pfennig den Korb so kam ich meinem Ziel immer näher. Als ich 12 Jahre alt wurde war es dann soweit. Mein Sparfleiß beeindruckte und trug Früchte. Die Geschenke zum letzten Geburtstag wurden etwas reichlicher, damit es für das ersehnte eigene Fahrrad reichte. 412 DDR-Mark kostete mein Diamantsportrad das mit einer 4-Gang-Kettenschaltung schon ein schmucker Hirsch war.

Nun gab es kein Halten mehr! Ständig war ich mit dem Rad unterwegs und sicher hat meine Mutter manche Stunde mit bangen Herzen meine Rückkehr erwartet, wenn mein Ausflug länger dauerte als geplant. Ich muss Sie ganz schön gedrängelt haben, dass Sie mir ihr Einverständnis gab, dass ich mutterseelenallein mit meinem Fahrrad die 110 km von Weimar nach Leipzig zu meinem Vater fahren durfte. Sicher waren die Fernverkehrsstraßen der DDR 1964 noch nicht so sehr befahren wie heute die Bundesstraßen – doch trotzdem, heute, als Vater, kann ich mir schon vorstellen wie quälend zäh die Zeit für sie verstrich, bis der erlösende Anruf kam, dass ich heil angekommen bin. Das war meine erste größere Radtour. Zwei Jahre später, wieder auf dem Weg nach Leipzig, sollte es fast meine letzte werden. Ständiger Gegenwind zermürbte mich. In der Nähe von Lützen, wo man 15 km geradeaus gucken kann, hatte ich das Gefühl stundenlang am gleichen Fleck zu stehen, weil sich die Landschaft neben mir nicht änderte. Dann setzte Nieselregen ein! Als ich, schon am Stadtrand von Leipzig, einen Platten hatte, war ich am Ende! Noch gut hundert Meter schleppte ich mein Rad bis zu einer Straßenbahnstelle. Dort schmiss ich mein Rad mit dem Schwur nie wieder eine Radtour so machen, in das Kinderwagenabteil.

Manche Schwüre halten eben nicht lange, mein Fahrrad blieb mein treuer Begleiter. Schon ein Jahr später überzeugte mich mein Cousin Thomas mit ihn mit dem Rad durch die halbe DDR zu fahren. Doch bald konnte mich mein Sportrad nicht mehr zufrieden stellen. Ein Rennrad musste her. Die 643 DDR-Mark waren nicht so das Problem, da ich die Schulferien regelmäßig nutzte um mir Geld zu verdienen. Doch meine Mutter wollte meine Raserein in geordnete Bahnen lenken und legte fest: „Das Rennrad darfst du dir nur kaufen, wenn du einem Radsportverein beitrittst.“ Also dann eben Rennrad und Sportverein!

Rennradfahren war schon eine tolle Sache, auch beim Sportverband stellten sich kleine Erfolge ein, aber vor den Preis haben die Götter den Schweiß gesetzt. Jede Woche waren in meiner Altersgruppe 500 Trainingskilometer Pflicht. Das ist viel! Ich war zu der Zeit Lehrling im ersten Jahr und fuhr schon jeden Tag mit dem Rad von Weimar nach Jena oder Erfurt zu unseren Baustellen. Das ergibt aber nur 250 km und nicht 500. Sport, Freundin und Arbeit war einfach zuviel. Zur Arbeit musste man gehen, auf die Freundin wollte ich nicht verzichten, so bleib nur der Radsport übrig wo ich mein chronisches Zeitdefizit ausgleichen konnte. So kehre ich den Radsportverein den Rücken ehe mein evtl. Talent die Möglichkeit zur Entfaltung hatte.

Eine junge Ehe und ein Studium in Ilmenau ließen wenig Spielraum für große Radsportliche Aktivitäten. Das Rennrad war überwiegend Transportmittel, auch wenn ich versuchte Studienort und Wohnort, oder auf den Weg zum Rennsteig neue Streckenbestzeiten aufzustellen. Erst mit 26 Jahren als Studium und Ehe hinter mir lagen, plante ich mit dem Rennrad eine DDR-Rundfahrt die mich auf ca. ... km quer durch die gesamte Republik führte. Es mussten weitere 8 Jahre vergehen ehe ich wieder zu einer Großen Radtour die Taschen packte (EUI)! Das hatte mir gefallen! So was wollte ich auch im nächsten Jahr machen. Eigentlich sollte es ans Schwarze Meer gehen, aber es wurde eine andere Reise draus (ASI). Dann war es wie Blut geleckt und es entwickelte sich daraus eine Lebensphilosophie und die Radreisen folgten Schlag auf Schlag. Noch drei Mal ging es nach Mittelasien (1987 ASII, 1988 ASIII und 1989 ASIV) 1988 war mir noch eine zweite Tour vergönnt, die mich mit unserer ganzen Radwandergruppe der Hochschulsportgemeinschaft durch die baltischen Staaten führte (EUII).  Dann kam die Wende und Ziele in der großen weiten Welt gerieten in mein Blickfeld. Nach einigen Kanarentrips war Afrika das große Ziel. Die Idee zur Zimbabwetour stammt von Klaus, hier trafen die Welten eines gestandenen West-Reiseradlers mit denen eines gestandenen Ost-Reiseradlers nicht konfliktlos aufeinander (1992 AFI). Nach einer größeren Reisepause, die vor allem vom Aufbau einer selbstständigen Existenz (Verlag grünes herz) geprägt war folgt die große Südamerikaphase (1997 SAI, 1998 SAII, 2000 SAIII, 2001 SAIV und 2002 SAV). 2003 wird mein großes Radeljahr. Erst radeln am anderen Ende der Welt (OZI) und dann nach einer Trainingstour in den Alpen (EUXIX), das große Ziel Himalaja (ASV).

© 2000-2010 by christoph hoffmann & dr. lutz gebhardt